Die Macht von Worten.

-editierter repost-

Als sie die Tür abgeschlossen hatten, sagte er, Männer würden keine halben Sachen machen.
Als ich mich offenbahrte, gingen sie davon aus, die Wahrheit besser als ich beurteilen zu können.
Als ich mich gegen die Bevormundung wehrte, sagten sie, daß ich dann ja insgeheim „so“ bleiben will.

Ich lernte, daß ich kein Recht habe, über mich selbst zu bestimmen.

Als ich Hilfe suchte, sagten sie, daß so jemandem wie mir eh niemand glaubt.
Als ich das Schweigen brach, glaubten sie, daß ich halt nur die Opferrolle in meinem Kopf überwinden müsse.
Als ich über die Ohnmacht sprechen wollte, sagten sie, daß ich doch in Wirklichkeit garnicht so schwach wäre.

Ich lernte, daß niemand mir glaubt.

Als sie mich schlugen, sagten sie, daß, wer nicht hören will, halt fühlen muss.
Als ich nichts mehr fühlen konnte, hielten sie mich für stark und unnahbar.
Als ich an der Gefühllosigkeit verzweifelte, sagten sie, daß ich einfach damit aufhören sollte, den Tätern soviel Macht zu geben.

Ich lernte, daß Fühlen Schwäche ist.

Als sie mich bestraften, sagten sie, warum ich denn auch so blöd war, mit ihm mitzugehen.
Als ich anklagte, glaubten sie, ich hätte es doch ja halt auch irgendwie mit mir machen lassen.
Als ich die Scham überwinden wollte, sagten sie, daß ich einfach mal lernen müsste, mich zu wehren.

Ich lernte, daß es nur meine eigene Schuld ist, wenn mir jemand Gewalt antut.

Als sie mich mißhandelten, sagten sie, ich wäre halt einfach ein scheiss Opfer.
Als ich ihnen widersprach, gingen sie davon aus, daß ich mir halt auch irgendwie von der Opferrolle profitiere.
Als ich über Schuld reden wollte, sagten sie ich solle aber doch auch mal meinen eigenen Anteil daran sehen.

Ich lernte, daß ich kein Recht auf Unversehrtheit habe.

Als sie mich erniedrigten, sagten sie, ich müsse ja dankbar sein, wenn mich überhaupt jemand beachtet.
Als ich Respekt verlangte, gingen sie davon aus, daß ich Mitleid erwarte und mich nur wichtig mache.
Als ich mich gegen das Stigma wehrte, sagten sie, ich solle halt einfach mal weniger Jammern.

Ich lernte, daß ich zu erbärmlich bin, um respektiert zu werden.

Als sie mich auslachten, sagten sie, daß ich mich anbiedern würde.
Als ich wieder vertrauen lernen wollte, hielten sie mich für Abhängig.
Als ich über die Scham zu lieben reden wollte, sagten sie, so könne man ja auch garnicht aufrichtig lieben.

Ich lernte, daß meine Liebe keinen Wert hat.

Als sie mich überredeten, sagten sie, daß mein Mißtrauen sie aber verletzt.
Als ich aufarbeitete, glaubten sie, ich würde mich doch einfach nur in die Vergangenheit hineinsteigern.
Als ich über den Schmerz reden wollte, sagten sie, ich könne doch einfach mal positiv denken.

Ich lernte, daß meine Gefühle nicht richtig sind.

Als sie mich demütigten, sagten sie, daß ich doch insgeheim drauf stehen würde.
Als ich Erklärte, dachten sie, es wären Rechtfertigungen.
Als ich über die Trigger reden wollte, sagten sie, sagten sie, daß ich „es“ nicht als Ausrede für meine Defizite mißbrauchen sollte.

Ich lernte, daß ich keine Solidarität zu erwarten habe.

Als er mir die Luft nahm, sagte er, daß dies „unsere Anarchie“ bedeutet.
Als ich unterging, dachten sie, daß das ja irgendwie halt leider abzusehen gewesen wäre.
Als ich um Hilfe rief, sagten sie, ich solle doch endlich mal Verantwortung für mich selber tragen.

Ich lernte, daß sich jede Hoffnung zum Gegenteil verkehrt.

Als sie mich Fallen liessen, sagten sie, es wäre wohl einfach immer nur der Krankheitsgewinn gewesen.
Als ich wieder sprachlos wurde, glaubten sie, daß das ein Schuldbeweis wäre.
Als ich nicht mehr widersprechen konnte, zog all das zuvor Gesagte ungehindert seine Kreise.

Ich lernte, daß niemand mich schützt.

Als ich mich Aufgab, sagte er, daß ich es insgeheim will, weil ich wüsste, es für meine Schwäche eigentlich verdient zu haben.
Als ich ihm und all dem zuvor Gesagten glaubte, war alles, was mir an Sicherheit blieb, die Isolation.
Als ich verschwand, hat niemand je nach mir gefragt.

Jeder von ihnen hat mich gelehrt, wie wertlos ich war.

Als ich ein halbes Leben später darüber reden wollte, wie toxisch diese ganzen Worte waren- da sagten sie-

NICHTS

Herrschaft beginnt immer im Kopf, besteht in Gedanken, erhält sich in Worten, und führt zu Taten.

#whyisaidnothing #punktoo #silencekills #toxicpositivity

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