Hervorgehoben

Die Macht von Worten.

-editierter repost-

Als sie die Tür abgeschlossen hatten, sagte er, Männer würden keine halben Sachen machen.
Als ich mich offenbahrte, gingen sie davon aus, die Wahrheit besser als ich beurteilen zu können.
Als ich mich gegen die Bevormundung wehrte, sagten sie, daß ich dann ja insgeheim „so“ bleiben will.

Ich lernte, daß ich kein Recht habe, über mich selbst zu bestimmen.

Als ich Hilfe suchte, sagten sie, daß so jemandem wie mir eh niemand glaubt.
Als ich das Schweigen brach, glaubten sie, daß ich halt nur die Opferrolle in meinem Kopf überwinden müsse.
Als ich über die Ohnmacht sprechen wollte, sagten sie, daß ich doch in Wirklichkeit garnicht so schwach wäre.

Ich lernte, daß niemand mir glaubt.

Als sie mich schlugen, sagten sie, daß, wer nicht hören will, halt fühlen muss.
Als ich nichts mehr fühlen konnte, hielten sie mich für stark und unnahbar.
Als ich an der Gefühllosigkeit verzweifelte, sagten sie, daß ich einfach damit aufhören sollte, den Tätern soviel Macht zu geben.

Ich lernte, daß Fühlen Schwäche ist.

Als sie mich bestraften, sagten sie, warum ich denn auch so blöd war, mit ihm mitzugehen.
Als ich anklagte, glaubten sie, ich hätte es doch ja halt auch irgendwie mit mir machen lassen.
Als ich die Scham überwinden wollte, sagten sie, daß ich einfach mal lernen müsste, mich zu wehren.

Ich lernte, daß es nur meine eigene Schuld ist, wenn mir jemand Gewalt antut.

Als sie mich mißhandelten, sagten sie, ich wäre halt einfach ein scheiss Opfer.
Als ich ihnen widersprach, gingen sie davon aus, daß ich mir halt auch irgendwie von der Opferrolle profitiere.
Als ich über Schuld reden wollte, sagten sie ich solle aber doch auch mal meinen eigenen Anteil daran sehen.

Ich lernte, daß ich kein Recht auf Unversehrtheit habe.

Als sie mich erniedrigten, sagten sie, ich müsse ja dankbar sein, wenn mich überhaupt jemand beachtet.
Als ich Respekt verlangte, gingen sie davon aus, daß ich Mitleid erwarte und mich nur wichtig mache.
Als ich mich gegen das Stigma wehrte, sagten sie, ich solle halt einfach mal weniger Jammern.

Ich lernte, daß ich zu erbärmlich bin, um respektiert zu werden.

Als sie mich auslachten, sagten sie, daß ich mich anbiedern würde.
Als ich wieder vertrauen lernen wollte, hielten sie mich für Abhängig.
Als ich über die Scham zu lieben reden wollte, sagten sie, so könne man ja auch garnicht aufrichtig lieben.

Ich lernte, daß meine Liebe keinen Wert hat.

Als sie mich überredeten, sagten sie, daß mein Mißtrauen sie aber verletzt.
Als ich aufarbeitete, glaubten sie, ich würde mich doch einfach nur in die Vergangenheit hineinsteigern.
Als ich über den Schmerz reden wollte, sagten sie, ich könne doch einfach mal positiv denken.

Ich lernte, daß meine Gefühle nicht richtig sind.

Als sie mich demütigten, sagten sie, daß ich doch insgeheim drauf stehen würde.
Als ich Erklärte, dachten sie, es wären Rechtfertigungen.
Als ich über die Trigger reden wollte, sagten sie, sagten sie, daß ich „es“ nicht als Ausrede für meine Defizite mißbrauchen sollte.

Ich lernte, daß ich keine Solidarität zu erwarten habe.

Als er mir die Luft nahm, sagte er, daß dies „unsere Anarchie“ bedeutet.
Als ich unterging, dachten sie, daß das ja irgendwie halt leider abzusehen gewesen wäre.
Als ich um Hilfe rief, sagten sie, ich solle doch endlich mal Verantwortung für mich selber tragen.

Ich lernte, daß sich jede Hoffnung zum Gegenteil verkehrt.

Als sie mich Fallen liessen, sagten sie, es wäre wohl einfach immer nur der Krankheitsgewinn gewesen.
Als ich wieder sprachlos wurde, glaubten sie, daß das ein Schuldbeweis wäre.
Als ich nicht mehr widersprechen konnte, zog all das zuvor Gesagte ungehindert seine Kreise.

Ich lernte, daß niemand mich schützt.

Als ich mich Aufgab, sagte er, daß ich es insgeheim will, weil ich wüsste, es für meine Schwäche eigentlich verdient zu haben.
Als ich ihm und all dem zuvor Gesagten glaubte, war alles, was mir an Sicherheit blieb, die Isolation.
Als ich verschwand, hat niemand je nach mir gefragt.

Jeder von ihnen hat mich gelehrt, wie wertlos ich war.

Als ich ein halbes Leben später darüber reden wollte, wie toxisch diese ganzen Worte waren- da sagten sie-

NICHTS

Herrschaft beginnt immer im Kopf, besteht in Gedanken, erhält sich in Worten, und führt zu Taten.

#whyisaidnothing #punktoo #silencekills #toxicpositivity

Überleben.

(Editierter Repost)

Respekt, kein Mitleid.

TRIGGER!

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Der erste Mann, der über meine Sexualität bestimmte, war mein Vater, der der Meinung war, daß ich ihn, wie alle Töchter, insgeheim zum Inzest Verführen wolle. Er ekelte sich so vor mir (eher vor sich selbst), daß ich ihn nicht berühren durfte und er wurde auch nicht müde, über seine „Thesen“ über weibliche Sexualität, vor allem von der von Mädchen, bei jeder Gelegenheit (z.B. vor Besuchern) zu dozieren- vor allem wenn er, wie jeden Abend, besoffen war. Als ich dann in die Pubertät kam betrank er sich mit mir an den Besuchstagen und fabulierte über Dinge wie das „Recht der ersten Nacht“, und das er ja der erste Mann in meinem Leben gewesen wäre und viel zärtlicher hätte sein müssen, dann betatschte er mich und stellte mir unangebrachte Fragen, da war ich 11. Ich habe vor über 20 Jahren jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen, im Februar 2019 ist er gestorben.

Vor dem zweiten, einem Pferdepfleger an einem Reitstall, lief ich weg, nachdem ich mich unter einem Vorwand vom Heuboden entfernen konnte, ich rannte durch den Wald nach Hause und sagte ich mir immer wieder, daß das nicht geschehen ist, da war ich 8 oder 9.

Der Dritte, Sven war 16 und ich 11 Jahre alt, und es war bei allen, ausser mir, bekannt, daß er sich an Kinder ranmacht, zweimal überredete er mich, mit ihm hinter der Schule Bier zu trinken und „etwas zu lernen“. Beim zweiten mal wurde er gestört und bekam von den Jungs aus dem Jugendhaus auf die Fresse, ich von den Mädchen, weil ich so blöd gewesen war mit zu gehen.

Der Vierte, Jens, hatte gehört, daß man mich leicht „rumbekommt“ wenn ich betrunken war – als er in einem Gebüsch im Park schon auf mir drauf lag, wurde er von einem Spaziergänger gestört.

Der Fünfte, Arno war einer der Trinker im Park, er war jenseits der 20 ich 12/13, mein „bester Kumpel“,der Einzige, der mit mir redete, mich nicht beleidigte, in den Teich im Park warf, oder über mich und meine Kleidung, Figur etc. herzog, wie alle anderen Jugendlichen… mit dem ich mich jeden Tag im Park und den anderen Trinkern die sich dort trafen betrank, so wie ich mich zu der Zeit auch mit meinem Vater bei den Besuchstagen betrank, das kannte ich. Meine Mutter hat es, wie so oft vorgezogen, wegzusehen. Nachdem ich ihr versprechen musste, ihr nie Vorwürfe dewegen zu machen, hat sie nichts mehr gesagt.
Eines Tages gingen wir mit einem Udo und mit einer Prostituierten in dessen Wohnung. Udo schickte mich zum Bier holen ins Schlafzimmer, und sperrte mich dort mit Arno ein. Mein Jammern hielt Arno dann nicht davon ab, „keine halben Sachen“ zu machen, während im Wohnzimmer Udo die Nutte laustark bestieg.
Ich war 13 Jahre alt und gab mir in dieser Nacht einen anderen Namen, erzählte mir, was ihr passierte, während es mir passierte. Meine Tage blieben aus, und ich unternahm „einiges“ das befürchtete Kind wegzumachen, damit niemand merkt, was passiert war, vor allem nicht meine labile Mutter. Wenige Wochen später zerren mich in der „Kinderdisko“ die Mädchen im Pulk aus der Toilette, verdreschen und schleifen mich u.A. an den Haaren queer durch die Aula hinaus in den Park zu Arno, damit er mir sagen solle, das er mich nicht liebt und ich endlich damit aufhöre, ihm so bescheuert nachzurennen. Dennoch und auch grade deswegen war er alles an sozialem Zuspruch, was ich hatte und ich gab meiner Jugend und Unerfahrenheit die Schuld, das „es“ nicht gut war … und so tat er es bei der nächsten Gelegenheit nochmal.

Ich brach in den Folgejahren  so manches Herz, weil ich nicht wusste, wie „Liebe“ funktioniert, weil ich nicht funktionierte – ich schämte mich dafür, keine Berührungen zu ertragen und versuchte, mein bestes zu geben, diesen Umstand zu verbergen. Ich kämpfte jeden Tag gegen diese Taubheit, ich ritzte, soff und kiffte… es war, als würde ich in einem Glaskasten sitzen und wenn ich in Bedrängnis kam, erstarrte ich, trat neben mich und wurde jedesmal ein wenig tauber…das wichtigste war immer, das es niemand merkt und doch gleichzeitig  die Sehnsucht, endlich dieses Gefängnis verlassen zu können, diese Ahnung eines gewaltigen Schmerzes, der keinen Namen trägt. Tagsüber hielt ich die Fassade hoch, funktionierte, und Nachts -ab einem gewissen Alkoholpegel- Kratze ich die Wunden auf, und für beides schämte ich mich gleichermaßen. Bedürfnisse zu haben war für mich ein ekelhaftes Verbrechen, ich wäre eher gestorben, als jemandem zu zeigen, daß ich ihn mag.

Der sechste Mann war ein Lehrer, Pädagogik, Oberstufe…er betrat den Klassenraum und flätzte sich mit der Hand im Schritt vor das Pult und stellte sich der Klasse vor: „guten Tag, ich bin Herr X und wenn ich -mit einem langen Blick zu mir- Frauen in Birkenstocks sehe, muss ich Kotzen“. Er setzte mich direkt ans Pult und mache sich jedesmal einen Spass daraus, mich zu quälen, in Klausuren spielte er 30cm vor meiner Nase stehend an seinen Eiern oder er erzählte von seiner Tochter die er (genüsslich) regelmäßig „besuchen“ würde…und welche nach einem Suizidversuch bis zum Hals gelähmt in einer Klinik läge. Der Vertraunenslehrer glaubte mir nicht und verlangte Zeugen, doch keiner aus der Klasse war bereit, auzusagen-aus Angst, die oder der Nächste zu sein. Meine Mutter sagte nur, das ich ja selbst schuld wäre, wenn ich mich so provokant anziehen würde…ich brach die Schule kurz vor dem Fachabi ab und zog in einen Bauwagen. Meine Mutter verbot mir, sie Mutter zu nennen, weil es sie daran erinnern würde, versagt zu haben.

Mit 19 war ich aus dem Bauwagen zurück in eine WG gezogen und ich sah dort, was ich alles nicht konnte, und offensichtlich eigentlich nirmal war. Und ich gestand mir zum ersten mal ein, daß ich das auch wollte, ich wollte wissen, wie es ist, mit jemandem „nur“ zu kuscheln, Gefühle zu zeigen, jemanden zu umarmen, ohne innerlich ein Stück zurück zu treten… das konnte ich nicht und bewunderte meine Freunde, die in Bands ihre Gefühle – grade auch die bei mir zu Hause „verbotenen“ und die tief verdrängten und mit Schuld kontrollierten – zum Ausdruck bringen konnten, Wut, Traurigkeit… all jene Gefühle, die man bei uns zuhause nicht zeigen und erstrecht nicht haben durfte, um die abhängigen und Co- abhängigen Erwachsenen zu stabilisieren, vor allem die Mutter, die gelernt hatte in jedem „negativen“ Gefühl eine existenzbedrohende Anklage zu sehen und mit ohnmächtiger Gewalt oder infantil anmutender Scham anstatt Führsorge reagierte. Ich hoffte, von ihnen lernen zu können, wie das geht.
Und ich fasste damals erstmals den Mut, das zu ändern, ich hatte einen Grund, Hoffnung und jemanden, der sich als Verbündeter darstellte, ein Freund, den ich seit vielen Jahren kannte und mehr wie einen Bruder liebte, jemand, vor dem man sich vielleicht garnicht verbergen musste. Ich las von Trauma und ich dachte, wenn ich den Anfang finde, den Auslöser, wo dieses Nicht-Gefühl anfing, das der Name für diese Angst der Schlüssel wäre, den ich brauchte, um mich von dem Schmerz befreien zu können. Ich versuchte, mich an alles zu erinnern, diese Geschichte zu begreifen.
Ich riss diese Wunden mit beiden Händen auf, ich wollte nicht mehr gefangen sein und hatte endlich die Kraft und einen Grund zu kämpfen. Und ich fand all diese Ereignisse, die ich verdrängt hatte, und allen war eines gemeinsam, ich hatte dabei „zugesehen“ und die Erinnerungen waren wirr, fragmentiert oder weit entfernt, wie etwas, über das man nur berichtet was einer Anderen passiert war und was man nur mit einem halben Ohr gehört hatte. Und es wurden immer mehr,  kleine und große Ereignisse, ein Bild, das immer schrecklicher wurde, je länger man hinsieht. Meine Galerie der schreienden Bilder nannte ich sie, denn ich fühlte – nichts.
Ein Bekannter stand eines Tages vor  meinen Zimmer und da war da dieses Gefühl, ein ONS den ich komplett verdrängt hatte und schlagartig ebenjene fragmentierte unwirkliche in der Erinnerung, fast nichts war von der Nacht noch abrufbar ausser, das ich wieder zugesehen hatte, und am nächsten Tag ziemlich durcheinander gewesen war – ich hatte erst panische Angst vor dem was dort passiert sein konnte, dann fing ich an, zu derealisieren und und fühlte mich selbst nur noch ganz schwach wie in einem Berg aus Watte, ich ertrug seine Anwesenheit nicht, war auch er ein Täter? Die Panik und das folgende Numbing die ich in dem Moment empfand, schien mir Recht zu geben…. Ich verlangte, daß er das Haus verlässt, weil ich ihn in dem Zustand aufgrund der Amnesie und dem erinnerten Ausgestiegensein verdächtigte.
Ein schrecklicher Irrtum, wie ich später erkennen musste (und für den ich mich bei der nächsten Gelgenheit entschuldigte, und der mich dennoch seit Jahren verfolgt)  Er hatte mich bei dem ONS unbeabsichtigt  so getriggert (indem er etwas wörtlich sagte, das ein Täter auch gesagt hatte) das ich dissoziiert war…aber ich wusste damals nicht, daß dafür schon Trigger ausreichen.

Ausser einem längeren Gespräch direkt nach/bzw während der Panikreaktion, mit meinem „besten Freund“, sprachen nur noch zwei weitere Menschen nur sehr wenige Sätze zu dem Ereignis persönlich mit mir.

Es hätte auf allen Seiten sehr viel Schaden verhindert, wenn eine ehrliche Auseinandersetzung mit mir und nicht nur über mich stattgefunden hätte.

Mein Verbündter verriet und retraumatisierte mich, anstatt mich zu verteidigen, machte meine schlimmsten Ängste wahr , er unterstellte mir, ich hätte alles wovon ich ihm berichtet hatte, nur erfunden (oder „zumindest“ selbst aus „Abhängigkeit“ mitgemacht und in Wahrheit eher den armen Täter getäuscht und nachher alles aus Rachsucht und wegen dem Krankheitsgewinn verdreht), ich wolle mir aus Eifersucht „Nähe“ erschleichen, indem ich die „Opferkarte“ spiele, würde mich doch damit wohlfühlen und insgeheim nichts ändern wollen, mich darauf ausruhen. Meine Ängste und angeblichen Zustände wäre nur eine Masche, eingebildet, reingesteigert und ungerecht und meine Erklärungen in Wirklichkeit nur Ausreden, um keine Verantwortung tragen zu müssen und weiter von meinem Status zu profitieren. Und „je mehr ich versuchen würde, diese „Eindrücke“ zu verhindern, desto mehr würde ich sie damit bestätigen“(sic)

Dabei hatte ich nie Angst vor Verlust, sondern vor meinem Wunsch nach Nähe, weil ich- bis heute- keine Ahnung habe, wie das funktioniert und es sooft Vernichtung, Demütigung und Beschämung bedeutete, ich kenne keine Eifersucht, weil ich doch noch nichtmal in der Lage war, irgendeinen „Anspruch“ auch nur zu definieren, und Nähe mied, wo ich konnte. Als in einem Urlaub in Spanien mich der Wirt in einer ansonsten leeren Kneipe mit penetrantem und minutenlangem Anstarren absichtlich so verängstigte, daß ich mich in zu einem Gespräch zwischen ihm und seiner Freundin, einer Mitbewohnerin stellte, und um Schutz in Form von dazustellen bat, riet er mir verächtlich: „Zeig ihm doch einen Mittelfinger, vielleicht steht er drauf“ und das er das für eine Masche hält…
Ich beendete diese Freundschaft daraufhin wortlos. Weil seine Idee, das sowas nur „falsches Denken sei“ welches man einfach mit dem „richtigen Denken“ heilen könnte, und daß, wenn dies nicht gelingt, man es nur in Wahrheit nicht „gewollt“ hat, ein so grausamer Irrtum war, dem ich nichts entgegen zu setzen hatte. Ich verstummte aus Hilflosigkeit, was er und andere obendrein als Schuldeingeständnis werteten.

Ich sprach die nächsten 17 Jahre nicht mehr über diese Dinge, oder bat nochmal jemanden um Hilfe. Noch nicht einmal mit meinem Partner, mit dem ich 6 Jahre zusammen war. Ich verliess die Stadt und das schreckliche Gerede bzw. vielmehr das gefühlte eiserne Schweigen, fing neu an, und schaffte es, mir ein Stück weit meinen Körper zurück zu erobern und zum ersten mal liebevoll mit mir selbst umzugehen. Ich begann eine Ausbildung an einer Fachoberschule, arbeitete als Praktikantin am Theater. Und dann legte ich mich wenige Monate nach dem Auszug mit dem Falschen an.

Der siebte Mann, ein neuer Arbeitskollege  Ex Soldat (KSK) und Sadist, den ich für seine Mackersprüche vor Kollegen lächerlich gemacht hatte, stand noch am selben Abend plötzlich in meinem Zimmer, nachdem er sich unter einem Vorwand von meinen Mitbewohnern hatte hereinlassen lassen (sie brachen grade ins AZ auf), er gab vor, sich für die Sache am Vormittag entschuldigen zu wollen, betäubte mich mit GHB und vergewaltigte mich auf jede erdenkliche Art, und weil das nicht genug für eine „Volksverräterin“ eine „Emanze und linke Zecke“ war, brach er meinen Willen und meine Persönlichkeit, indem er jeden Funken Widerstand im wahrsten Sinne des Wortes wieder und wieder erstickte, bis nichts mehr von mir übrig geblieben war. „Jetzt zeige ich dir, was eure Anarchie wirklich bedeutet…“ “ Es liegt in der Natur der Frau, sich dem Stärkeren zu unterwerfen“  5 Tage, bis er begriff, daß ich die Pille nicht nahm. Danach folgten etliche Wochen der täglichen Demütigung und Bedrohungen gegen mich (und eine andere Frau in meinem Umfeld, der er androhte, dasselbe anzutun), bis ich das Praktikum am Theater vorzeitig abbrechen konnte.
Ich überlebte, indem ich kooperierte und die Ohnmacht leugnete und mir einredete und nach aussen so tat, als wäre nichts Böses geschehen… und jeden verjagte, der etwas hätte merken können, denn noch so einen Verrat hätte ich nicht überlebt und die Scham war viel zu groß.

Wer sich nicht wehrt, der hat es insgeheim so gewollt, der hat es nicht anders verdient. Ich tauschte Schuld gegen die Ohnmacht ein, um zu überleben.


Ich war vollkommen alleine, ohne Perspektive, denn ich würde niewieder ein Theater ohne Angst betreten können, ohne Freunde, ohne meine Familie, die mich nach wenigen Wochen wegen meiner „Veränderung“ fallen gelassen hatten…vor meinen Mitbewohnern verbarg ich mich so gut es ging, benutzte einen Eimer zum pinkeln um mein Zimmer nicht verlassen zu müssen, dachte von mir in der dritten Person und die Tage waren vage wie ein Traum, ich schlief so wenig ich konnte, ich war verwirrt und gebrochen und doch überlebte ich. Vielleicht waren die ganzen Übergriffe vorher im Grunde ein Glück, ohne diese Übung im Aushalten und alleine sein hätte ich das wohl nicht geschafft.

Ich traf den achten  Mann, so wie ich schwerst traumatisiert, alkohol und drogenabhängig und aggressiv, wenn er betrunken war -wenn ich ihn nicht „drüber liess“ zerschlug er das Inventar und brüllte mich an. Es war mir gleichgültig, es gab soviel Schlimmeres, als diese 10 Minuten Stillhalten. Aber er war da – obwohl! es mir schlecht ging und das war soviel mehr, als jemals! jemand anderes zuvor für mich getan hatte. Die furchtbare Angst hörte auf, das Nr. Sieben nochmal vorbei kommen könnte, um mich wieder mitzunehmen. Als die Bank dann meinen ersten Sozialhilfescheck pfändete, war er da, er ging für uns schnorren, er besorgte die Drogen und kümmerte sich um die Hunde und das  Essen.
Er war da, als die Politchecker unserer alternativen Siedlung mich dem Spekulanten auf dem Silbertreller (einem Flyer, der Aktionsgruppe zur Genossenschaftsgründung um die bedrohte Siedlung selber zu kaufen, auf dem ich ungefragt genannt und meine Schwangerschaft instrumentalisiert wurde)  präsentierten. Woraufhin ich ganz oben auf der Abschussliste des Spekulanten landte, was mich letztlich hochschwanger um 15500DM und meine Wohnung brachte. Er stand keine Woche nach erscheinen des Flyers mit seinem Anwalt vor der Tür, überreichte mir die Räumungsaufforderung und informierte das Sozialamt  über meine Absicht, mittels einer (noch nicht ausgezahlten) Erbschaft in die Genossenschaft einzusteigen… Das Sozialamt sackte das Geld ein, den Prozess um die Räumung verlor ich (Einschreiben aufheben!). Es interessierte die Checker nicht mehr.

Nachdem meine Tochter zur Welt gekommen war, besuchte ich die erste WG, man liess uns im Wohnzimmer alleine sitzen und zog sich demonstrativ in die Küche zurück, ich war dort nicht erwünscht.
Ich schwieg 15 Jahre über das alles, verliess mein Haus nur, wenn ich musste, mied jegliche engeren Freundschaften und arbeitete mich fast zu Tode, um mich nicht „schwach“ zu fühlen.

2015 nach einem Zusammenbruch mit Ansage habe ich damit begonnen, mein Schweigen zu brechen und mir mein Leben und meine Würde zurückzuholen. Niemand, der mich je als schwach und abhängig verurteilt hat, hätte jemals die Kraft und die Stärke gehabt, diese grausame Form der Einsamkeit und soviel Ignoranz zu überleben.
Bis heute habe ich keine einzige Träne wegen dem, was man mir antat, vergossen, ich trage kein Mitleid mehr in mir. Ebensowenig weiß ich, wie es sich anfühlt, getröstet zu werden, mich hat seit meinem 12ten Lebensjahr nur ein einziger Mensch offen weinen sehen – als ich ihn nach 6 Jahren verliess, da war ich 37. Und so ein Mensch muss sich „Drama“ unterstellen lassen, ausgerechnet von jemandem, der sein Leid auf einer Bühne vor hunderten Leute in Szene setzte und sich dafür feiern liess .
Seit ich damit begonnen habe, meine Geschichte aufzuschreiben und jeden, der damals in meiner Nähe war, mit der Wahrheit zu konfrontieren (nur ein einziger! hat sich dazu geäussert und seine Solidarität zum Ausdruck gebracht) hat sich zu der allgegenwärtigen Angst vor allem ein neues Gefühl gesellt, Wut.

Diesen Verrat habe ich viel zu lange hingenommen.

#whyisaidnothing #punktoo

Der falsche Planet.

(editierter Repost)

Bullshitbingo: …dafür kannst du doch toll rechnen, kreativ sein, schreiben, basteln, Sport machen, Schach spielen, musizieren….Kopf hoch! jeder hat doch Stärken und Schwächen, nicht jeder kann alles gleich gut. Stärken stärken…

Wisst ihr was? FICKT EUCH. Diese gutmeindenden Vergleiche sind ein toxisches Problem, und dafür muss man noch nicht einmal behindert sein: Denn sie setzen Wertigkeit mit Leistungsfähigkeit in ein Verhältnis.

Es ist kein Trost, sondern spiegelt nur das menschenverachtende Denkmuster dieser Leistungsgesellschaft. Und sie zeigen, daß derjenige, der meint so „trösten“ zu können, dieses Muster so sehr verinnerlicht hat, daß er garnicht merkt, wie abwertend und ignorant das ist.

Denn wenn ich als Autistin daran verzweifele, nie zu checken, wann ich verarscht werde, wenn ich daran scheitere, Menschen zu verstehen und sozial angemessen nach komplett unlogischen und aus meiner Sicht bizarren Regeln mitzuspielen….wenn ich im Grunde nie frei ichselbst sein kann, wenn Leute meine Freude an Wortwitzen irritiert, wenn ich gestresst in Schleifen gerate, und 3x hintereinander dasselbe sage, wenn ich immer Aufpassen muss, nicht als „Defizitär“ oder „Strange“ aufzufallen, um nicht ausgegrenzt zu werden…

Wenn ich den Eindruck bekomme, daß ich es allenfalls noch erwarten kann, trotz enormer Anstrengung mitleidig wohlwollend als „Quotenpsycho“ nur um der Toleranz willen toleriert zu werden, anstatt Respekt zu erfahren.

Daß oft Gespräche doch so schnell es geht, freundlichgedingst beendet werden -und ich es garnicht mehr versuche, nach privaten Treffen in für mich leichter zu bewältigendem Rahmen zu fragen, weil ich die Antwort doch schon längst kenne.

Wenn ich mich ärgere, mich vor einem zuviel an Input wieder auf das Senden in einem „meiner“ Themen geflüchtet zu haben.

Wenn ich mich im Supermarkt an meinen Einkaufszettel klammere, um nicht völlig die Orientierung zu verlieren und dennoch 15 Runden drehen muss, bis ich alles beisammen habe.

Wenn ich miterleben muss, wie mein Sohn darunter leidet, seine Steuerungsfähigkeit zu verlieren, wenn er in Rage gerät, und hilflos mitansehen muss wie „Pädagogen“ das Störungsbild auf ein Autoritätsproblem reduzieren.

Wenn ich zwei Jahre um eine Schulbegleitung für ihn mit dem Jugendamt kämpfen muss (er ging zwei Jahre nicht zur Schule)

Wenn ich sehen muss, wieviel Angst er vor anderen Jugendlichen hat.

Wenn ich zwei Jahre lang mit der Kinderpsychologin meiner Tochter darum kämpfe, daß sie endlich eine vernünftige Diagnostik durchführt, anstatt pauschal auf Jugenddepression zu „behandeln“, uns in eine Klinik überweisst, die ausdrücklich nicht für Autisten geeignet ist, und erst nach 11 Monaten Wartezeit einen Platz hat.

Wenn ich mir drohen lassen muss, weil ich sie nach 10 Tagen dort wieder „eigenmächtig“ abhole (1500km Fahrt) und auf eine anständige Diagnostik dränge, und diese nach NOCH einem Jahr Wartezeit, Asperger und ADHS wie bei meinem Sohn ergibt…

Wenn mir klar wird, daß ich meinen beiden Kindern diesen Mist mitgegeben habe, der ihr ganzes Leben beinträchtigen wird….

….dann ist das Allerletzte, woran ich denke, unser angeblich tolles technisches Verständnis, oder der hohe IQ….. welche das in irgendeiner mir unbekannten und auch sehr gleichgültigen Dimension angeblich wieder „wett“ zu machen vermögen.

1,2,3,4,5,6…

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Hier ist eine deutliche Triggerwarnung angebracht

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Er ist noch im Wohnzimmer, und ich höre mal um mal das Geräusch, wenn er die Flasche ansetzt und trinkt, gluckgluckgluck und wie er schmatzend absetzt, ausatmet. wieder und wieder – Schluck für Schluck… dazwischen das Blubbern von der Bong…ausatmen, den Rauch an die Zimmerdecke pustend…das Ratschen vom Feuerzeug und das Geräusch, wenn er die nächste Kanne öffnet. Wie das Ticken einer Uhr an der Wand…Ekel, Angst und Hoffnungslosigkeit…und Routine.

Manchmal beobachte ich ihn dabei, wenn ich auf dem Sofa mit dem Baby sitze und meine Tochter um uns herumwuselt… ich habe mir mit den Jahren angewöhnt, die Flaschen zu zählen, um zu wissen, wie weit er ist: 5,6,7,8,9,10…am erträglichsten ist er Abends zwischen 4-6 denn da ignoriert er mich und zockt. Bei 6 bringe ich die Kinder ins Kinderzimmer und gehe anschliessend selber ins Bett, wickele mich in die Decke und drehe mich ganz nah an die Wand…und lausche…und warte.

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Er kommt…ich höre ihn im Flur rotzen während er mit schweren Schritten ins Bad wankt, es plätschert kurz und ich versuche so flach und leise zu atmen wie ich kann und rücke noch etwas näher an die Wand, gleich geht es wieder los…

Nachdem er sich die Klamotten ausgezogen hat, wirft er sich grunzend auf das Bett, rutscht an mich ran und atmet bierschwer in meinen Nacken…seine Hände gleiten an meinen Körper…ich rühre mich nicht und atme lautlos, nur atmen, die Berührung ausblenden, ich bin nicht hier…

Die Frage ist nun, wer früher aufgibt, solange kein Schnaps im Spiel ist, habe ich ganz gute Chancen.

Während er sich stöhnend an mich drückt, ignoriere ich ihn, stelle mich schlafend…ruckartig richtet er sich auf und auch ohne ihn anzusehen, kann ich seinen verächtlichen Blick spüren und höre, wie er wütend heftig ausatmet.

“ Du kannst doch froh sein, wenn dich überhaupt einer anfasst….“

Diese Worte durchdringen mich ohne Effekt, ich rühre mich nicht, atme lautlos und so flach ich kann weiter in mein Kissen, während er sich wieder ankuschelt, wieder anfängt, mich zu streicheln.

Bebend vor Zorn und Erregung greift er meine Schulter und zischt mir ins Ohr: „Na, war Dirk wieder unten hast es dir von ihm besorgen lassen ? „

Ich möchte nicht hier sein, und ein Teil von mir ist schon seit so vielen Jahren fort, das ich mich kaum an ihn erinnern kann. Im Grunde geht es nur noch um Taktik und die Frage, wann es das kleinere Übel ist, nachzugeben und ihn drüber zu lassen, damit er endlich Ruhe gibt.

Immerhin schlägt er mich nicht, weil er weiß, das das der Punkt wäre, an dem ich ihn verlassen könnte.

Einmal, da war ich im 5ten Monat mit dem ersten Kind schwanger, warf er sich auf mich verdrehte mir den Arm und drückt mein Gesicht auf den Küchenboden- kurze Zeit später brülle ich an der Haustür meine (männlichen) Nachbarn an, die versuchen mich zu „retten“ das sie sich verpissen sollen….

Niemand würde mich nochmal zum scheiss Opfer machen ! Diese Leute waren nicht für mich da, als ich nach einem politisch motiviertem Überfall und wochenlangen Terror durch einen Kollegen wirklich Hilfe gebraucht hätte, im Gegenteil, sie hatten sich am Gerede über meinen „Absturz“ beteiligt, und mich selbst totbeschwiegen und ausgegrenzt, jeder Einzelne von ihnen. (ehemals besetzte linksalternative Siedlung) Keinem war ich „in kaputt“ auch nur ein Wort mehr wert gewesen.

Und jetzt machten sie sich groß, indem sie plötzlich die Helden spielen wollten und mir den Einzigen Menschen nehmen wollten, der mir geblieben war, und für den ich einen Wert hatte. Der zu mir kam, als ich ganz unten war, als alle mich hatten fallen lassen,  meine Familie mich verstieß, der für uns betteln ging, der einzige Schutz vor weiteren Übergriffen durch meinen Kollegen…und -der genauso ein Wrack war wie ich, ein gebrochener Mensch. Ausgerechnet diesen Leuten sollte ich vertrauen? Einem Pulk Männer vor der Tür der nichts anderes als eine weitere Demütigung für mich bedeutete.

3 Jahre und einen Umzug später liege ich in meinem Bett, stelle mich tot und wäge ab, ob ich mich nun von ihm ficken lasse, um den Beschimpfungen – und je nach Pegel der Randale zu entgehen.

Sein einziges Problem mit Alkohol war neben der Beschaffung, das ich ein Problem mit der Sauferei hatte. Unser ungeplantes Kind hatte mir damals nach dem Überfall die Perspektive und einen Grund gegeben, weiterzuleben, doch diesen Kampf um ihn konnte ich nicht gewinnen.

Nachdem er mich in einem Streit vor den Augen meiner Tochter würgte (obwohl er – nein WEIL er wusste, das ich bei dem Überfall fast so umgebracht wurde) , während ich unseren 8 Monate alten Sohn auf dem Arm hielt, sagte ich nichts mehr, ich entschied, das meinen Kindern zu ersparen, sie sollten nicht mit einem gewalttätigen Säufer aufwachsen wie ich es als Kind musste, sie sollten nicht länger mit Alkohol leben müssen. Ich plante die Flucht, meine Nachbarin half mir, alles heimlich zu verpacken, die anderen Nachbarn halfen mir, den Transporter zu beladen, und sie standen Spalier und klatschten, als wir abfuhren.

20 Jahre später spreche ich mit einer Mitbewohnerin von früher darüber -bzw versuche es- , und alles was kommt ist: „Tja, manche Menschen tun einem dann halt doch nicht so gut, wie man vielleicht gedacht hat“

Oh ja BITTE erklär mir endlich mal die Welt!

Ein Rant, aus Gründen.

Je länger ich auf sozialen Medien unterwegs bin, desto öfter wünsche ich mir einen männlich gelesenen Fake Account. Es ist fast drollig, wie einem ständig von Männern ungefragt die Welt erklärt wird. Das scheint fast zwanghaft zu sein, eine Frau sagt was wohlmöglich Unangenehmes und zack kommen Männer herbeigeeilt und erklären erstmal, wie es wirklich ist, immer. Auch sind sie felsenfest davon Überzeugt, daß ihre Interpretation völlig unfehlbar ist, denn wenn „ihre“ Themen dazu aufplöppen, dann geht es garantiert genau um ihre Themen, völlig egal, was eigentlich geschrieben wurde. Das ist ermüdend wie nervig, Taube Schachbrett, Dunning Kruger, ich habe Besseres zu tun.

Und wenn sie glauben, daß eine Reaktion jetzt aber mal übertrieben ist, kommt ihnen garnicht der Gedanke, daß sie sich vielleicht irren. Und wenn man diese Respektlosigkeit und Überheblichkeit vor den Gefühlen anderer benennt, dann starten sie instant einen Machtkampf um ihre so abgefuckt selbstverständlich angenommene Deutungshoheit, den sie dann- wenn es auf die Nase gab- mit ihrer Verunsicherung rechtfertigen. Mimimi du hast an meinem Selbstverständnis gekratzt, AD HOMINEM!! Ausgrechnet aus verletzter Eitelkeit kommt dann oft der Vorwurf der Unsachlichkeit, und sie merken es noch nichtmal, wie furchtbar albern sich sowas dann liest.

Mut zur Verletzlichkeit, meine Herren.

Ich bin das Gejaule satt, wenn es heisst, daß aber bitteschön die Fronten durch unangenehmes Auftreten nicht so verhärtet werden sollen, daß Frau doch bitteschön „sachlich“ (gemeint ist aber lieb und nett und Kritik in ignorierbaren Dosen) und stets auch ein bisschen verständnisvoll sagen soll, was sie möchte, da Mann ja sonst auch gar keinen Bock hätte, sich damit auseinanderzusetzen. Also bitte, liebe Frauen, schluckt mal eure kochende Wut runter, und bleibt „sachlich“ damit der Mann bloß nicht zu sehr verärgert wird, weil zuviel Emotionalität schadet nur dem Diskurs. (Merkste was?)

Das würde ja kontraproduktiv für „diese FrauenSache“ sein (die Mann natürlich auch irgendwie so ein bisschen gut findet, Mann ist ja kein Macker, und „Hilft“ (würg) auch immer den armen schwachen Weibchen beim empowern…..aber bitte bitte doch nicht sooooo unfreundlich) Frau müsse die Männer doch bitte mal da abholen, wo sie stehen, und auch Rücksicht nehmen, Verständnis haben….

Mann wäre ja auch Opfer seiner Sozialisierung, und iiirgendwie da auch im Grunde Opfer von Frauen, die ja eigentlich eher insgeheim mehr auf die erfolgreichen Macher stehen und so schrecklich hohe Erwartungen an Männer haben, was ja einen normalen Mann auch total verunsichern würde, der Leistungsdruck wäre schon enorm, Herzinfarkt und so… ALTA ! Kein Wunder, daß ICH ausflippe, wenn ein Kerl seine Verunsicherung (inkl. dem ganzen Kompensationsgestrampel) bezüglich seiner Identität mit mangelnder sexueller Verfügbarkeit von Frauen begründet.

Und ich widerhole mich: Mut zur Verletzlichkeit! Du hast z.B. einfach mal von sehr sehr vielen Dingen weniger Ahnung, und wenn es dich verunsichert, diese (und andere s.O.) Rollenerwartungen nicht zu erfüllen, dann ist das dein Problem, für das du ganz alleine verantwortlich bist … und eine ganz heisse Spur.

Sexismus ist kein „Frauenproblem“ „Ihr“ hinkt einfach nur gnadenlos mit der Selbsterkenntnis und Aufarbeitung hinterher. Eure Privilegien bedeuten ein so verdammt beschränktes (wie auch beschränkendes) Mindset und viel zu viele vermeindlich bequeme Schlupflöcher. Ob ihr den schrecklichen Fluch dahinter erkennt, oder euch dahinter versteckt, ist eure Entscheidung….. Aber wenn ihr andere die Konsequenzen eurer beschissenen Feigheit aufdrückt, dann erwartet nicht, daß irgendwer euch sanft auffängt, als wäre er dafür auch noch verantwortlich.

Und wisst ihr, was richtig traurig ist? Ich überlege grade, ob ich jetzt wirklich dazuschreiben muss, daß sich dieser Text an jene richtet, die darin angesprochen werden, und daß ich nicht alleeee Männer meine.

SEUFZ.

Trigger

-editierter Repost-

Ein freundlicher Mensch den ich sehr mag, spricht zu mir, macht aus Spass „den bösen Mann“ gespielter Ärger und er sagt irgendwas, und obwohl ich doch genau weiß, das es nur Spass ist, verstehe ich da die Worte schon nicht mehr.  Die Amygdala reagiert nunmal ohne jegliche Vernunft und tut, was sie am besten kann – Chaos und Schrecken verbreiten. *

Irgendwo zwischen Stirn und Nacken, kann ich mir dann durch ein winzigkleines Wahrnehmungsfenster dabei zusehen, wie ich mich wegducke, und weil ein solcher Kontrollverlust schon alleine nicht mies genug ist, darf ich mir diesen Scheiss auch noch in Zeitlupe angucken. Danke Gehirn, danke an alle Arschlöcher, die diesen dämlichen Autopiloten mit seinem ätzenden Filmen in mich hineingeprügelt haben.

Verstehen aus, Hören aus, Sehen aus, Sprechen aus, ich spüre stattdessen, verschachtelt und fragmentiert wie ich auf den Boden schlage, Teppich kratzt an meiner Wange, es riecht nach Schnaps und Urin…gleich..gleich… obwohl ich noch mitten im Konzertraum stehe. Einrollen und einfrieren, den Einschlag abwarten, Sinne ausschalten, Notprogramm, erstarren in Panik, wenige Sekunden voller Brutalität. Für den Unaufmerksamen vermutlich kaum zu bemerken.

Ich hasse, was ein Teil von mir geworden ist und mich situativ wieder und wieder so verdammt  machtlos macht. Es war ein sehr harter und sehr langer einsamer Weg, bis ich einsehen musste, daß alle Rationalität und „Stärke“ der Welt garnichts dagegen ausrichten können. Daß ich 20 Jahre lang völlig vergebens darum gekämpft habe „stärker“ als das zu sein, daß ich mich völlig zu unrecht dafür geschämt habe, „so“ zu sein.

Die Amygdala ist nämlich der Sprache und dem Denken garnicht zugänglich. Ich bin in mir selbst- mir selbst und den Tätern wieder und wieder ausgeliefert.

Mein größter Feind bin immernoch ich selbst, und ich weiß es viel zu gut.

Irgendwie ein Arm und ein Kuss auf den Nacken, irgendwas wird gesagt, ich will unbedingt antworten, doch in dem Zustand habe ich keine Worte, kann mich kaum bewegen.

Ich schüttele mich ganz leicht, die einzige Möglichkeit, in meinem Minifenster, mich nach draussen mitzuteilen, durch die Kontaktaufnahme und die Bewegung geht es so schnell wie es kam, eine Handlungsoption gegen dies Gefühl alter Ohnmacht. Vielleicht war es nur Glück, oder Instinkt, daß er den Nacken wählte, denn das ist einer der wenigen „Ausgänge“ zurück an die Oberfläche. Was danach geschah, ist dennoch weg. Die Zwischenphasen bis ich wieder „ganz“ bin sind auch scheisse, Watteberg und Autopilot, den Schein wahren, funktionieren, Mimikri.

Zuvor sagte er mir in einem Gespräch -und er meinte es wirklich lieb- das Niemand hier was blödes denken würde, wenn ich vorbeikomme. Das wäre doch alles nur in meinem Kopf.

Ich wünschte so sehr, er hätte mit diesem „nur“ recht. Aber so einfach ist es leider nicht, ich weiß das doch! Es ist leider keine Sorge, oder ein Gedanke, oder eine bewusste oder unbewusste Angst, oder „nur“ eine blöde Erinnerung, oder „nur“ irrationale Unsicherheit oder „nur“ mangelndes Vertrauen oder gar „nur“ mangelndes Selbstbewusstsein.

Das ist es nicht, und das ist es auch nie gewesen, es ist das uralte Echo einer Toten, die nicht ganz an dem gestorben ist, was sie nicht mehr „erleben“ konnte um es zu verarbeiten.

Der Grund für diesen Blog steckt genau in diesem „nur“, man könnte ja, man müsste nur und dann wäre man wieder normal, gesund, geheilt… und dann gäbe es ja nur einen Grund, trotzdem so zu sein, Attentionseeking, Krankheitsgewinn, selbst verschuldet, Opferrolle. Aber es gibt dieses „nur“ nicht, es ist keine Frage des Wollens oder Denkens -bewusst wie unbewusst, der „Wille“ ist in diesen Momenten einen Scheissdreck wert. Physiologischer Kontrollverlust. Mechanismen millionen Jahre älter als das Bewusstsein.

Und bis jetzt hatte ich Glück…aber was ist, wenn ich einfriere und sabbernd zusammensacke, weil jemand fataler Weise aber gutmeinenend „falsch“ reagiert ? Was ist, wenn es mich „wegen nix“ vollständig in die Hölle katapultiert ? Wie kommuniziere ich, daß der vorletzte Täter „vom Fach“ war und diese Mechanismen gezielt eingesetzt hat, um mich zu brechen, wie er mich wieder und wieder aus der Entrücktheit zurückholte, nur um mich weiter zu quälen, bis ich mich selbst aufgab ? Blickkontakt herstellen wäre z.B. absolut fatal, wird aber oft empfohlen. Wie viel Outing ist nötig, um „sicher“ zu sein?

Versteht jemand, was diese Form von Kontrollverlust bedeutet ? Es ist in meinem Kopf, ja. Aber da ist kein „nur“. Ich weiß doch, daß es nicht wahr ist, verdammt nochmal ich weiß das doch viel zu gut, und ich schäme mich, es ist nicht wahr, aber es ist echt. Das ist der einzig „blöde“ Gedanke, der mich quält, daß wieder! niemand versteht, was da passiert.

Und manchmal wünschte ich, man würde mir einfach aufs Maul hauen, dann bräuchte ich mich wenigstens nicht mehr für etwas zu schämen, das ich nicht verhindern und kaum jemand verstehen kann – dann wäre diese Schere aus Wissen und Fühlen nicht mehr da, dann wäre ich wenigstens einmal wieder ganz.

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*Betrachtet man das Gehirn sind vor allem zwei Strukturen beteiligt, die Amygdala und der Hippocampus. Die Amygdala oder auch Mandelkern ist für das Erkennen von Gefahren zuständig, für Angst und Fluchtreaktionen usw. dh. sie erzeugt reflexhaft die entsprechenden Gefühle und körperlichen Reaktionen bei bestimmten Situationen, sie ist der Sprache oder dem Bewusstsein nicht zugänglich. Der Hippocampus hingegen ist zum Teil für das Bewusstsein und die Zuordnung von Sinneseindrücken zu einem Kontext ( Zeitbezug etc.) zuständig, bevor die Erlebnisse in das Langzeitgedächtnis Episodenhaft „geschrieben“ werden, der Hippocampus ist sozusagen die Schaltzentrale für die Entstehung von Erinnerungen.

Bei einer Traumatisierung flutet die Amygdala den Körper und das Gehirn mit sovielen Stresshormonen, daß die Verbindung zwischen Amygdala und Hippocampus gestört bzw. vollständig gekappt wird. Das nennt sich Dissoziation.

Sinneseindrücke die während dieser Phase erlebt werden, können so nicht durch den Hippocampus zugeordnet versprachlicht und in das Langzeitgedächtnis überführt werden.

So entstehen Amnesien (Teil oder Total) und die betreffenden Eindrücke werden fragmentiert fehlgespeichert und durch Trigger mangels assoziertem Zeitbezug in „Echtzeit“ wiedererlebt. Man fürchtet sich also nicht davor, z.B. von einer bestimmten Person im Jetzt geschlagen zu werden, sondern fühlt sich plötzlich genauso, wie man sich fühlte, als man Schläge erwartet hat und/oder geschlagen wurde. Sofern man wieder dissoziiert (was sehr wahrscheinlich ist) kann das Sprachvermögen zum Erliegen kommen (Worte verstehen und Worte sprechen, Denken – Blackout), und oder auch das Körpergefühl verschwinden, die Umgebung kann urplötzlich irreal erscheinen usw.

Das Märchen von der Stärke

-editierter repost-

In einigen Tagen heisst es wieder : One Billion Rising, und es wird viel geschrieben werden, über Opfer und über Täter, doch ich möchte über jene schreiben, die glauben, damit nichts zu tun zu haben und genau dadurch mehr damit zu tun haben, als ihnen lieb sein kann.

Sekundäre Viktimisierung, Rape Culture, toxische Männlichkeit, oder auch das Klima, indem Schweigen und stillhalten leider oftmals die sicherere Alternative ist, um nicht vom Regen in die Traufe zu geraten. Jenes toxische Klima, in welchem Täter im „Zweifelsfall“ eher geschützt und Opfer isoliert werden.

Ein gesellschaftliches Klima, in dem es für jeden! gefährlich ist, für schwach gehalten zu werden.

Schwache Menschen, so hören und glauben wir sind: willenlos, tragen keine Verantwortung für ihr Leben, sind wehrlos, harmonie oder streitsüchtig, inkompetent, naiv, faul, feige, abhängig, gierig, manipulativ, theatralisch, überemotional, irrational, hysterisch, unehrlich, verlogen, hinterfotzig und berechnend. „Wer sich selbst nicht liebt, kann auch andere nicht lieben, nicht geliebt werden. Dem fehlt es an Selbstbewusstsein, kann sich nicht behaupten, versagt. Ist Defizitär, nicht liebenswert. DU OPFER! Ist nicht ohne Grund ein Schimpfwort.

Von „starken Menschen“ würde man sowas jedoch nie annehmen, weil sie es ja garnicht „nötig“ hätten, „so“ zu sein. Wir wurden gelehrt, „starke Menschen“ zu verehren, hartnäckig hält sich der Mythos vom tugendhaften, willensstarken Helden, der allenfalls von einem schwachen und hässlichen Bösewicht durch Arglist beschädigt werden kann, wir sind gradezu süchtig nach diesem Märchen von „Stärke“, oder der Mähr vom „hässlichen Entlein“ daß verlacht und gequält wird und in der Einsamkeit fast erfriert und dann eben doch ein starker schöner Schwan wird.

Nicht auszudenken, wenn das Entlein eben doch „nur“ ein hässliches Entlein geblieben wäre…. Bäh. Kein Happy end.

Bis vor wenigen Jahren, war es auch hier durchaus flächendeckend üblich, jene negativen Attribute die man mit „Schwach“ verbindet auf Frauen in allgemeinen pauschal anzuwenden, und damit Bevormundung, Ausgrenzung und Übergriffe zu legitimieren und zu rechtfertigen. Das „schwache Geschlecht“ bedurfte nunmal aufgrund seines defizitären Wesens jener respektlosen und übergriffigen Behandlung.

Aktuell werden diese Vorurteile ja auch seit einigen Jahren von „interessierten Kreisen“ leider sehr erfolgreich in der „Flüchtlingsdebatte“ geschürt: Vom gesunden, aufrechten, schönen „Volkskörper“ und dem moralisch kranken, minderwertigen, verlogenen, gierigen und faulem Abschaum, der Elend nur vortäuscht, um die Hilfsbereitschaft von schwachen und naiven Träumern auszunutzen, und sich mit unehrlichen Mitteln Zuwendungen zu erschleichen… Eindringlinge, die sich insgeheim über das „starke“ Volk ermächtigen wollen, und so „unverschämter Weise“ den zugewiesenen Status des dankbaren schwachen Bittstellers zu überwinden, der wenn er denn „echt“ wäre bitteschön alles hinzunehmen hätte…weil…

Das ist auf so vielen Ebenen Bullshit, daß ich es kaum fassen kann, daß soviele daran glauben und garnicht merken, wie Menschenverachtend und verlogen das ist.

„Starke Menschen“ sind Retter, niemals Täter und auch niemals Opfer.

Jeder will anscheinend einer dieser schönen, tollen, tüchtigen, gesunden, erfolgreichen und bewunderten und begehrenswerten (über)Menschen sein, jemand, der sich selbstverwirklichen und perfektionieren kann. Ein guter Mensch sein, moralisch erhaben, ein selbstoptimiertes Vorbild und Inspiration für andere, die noch nicht „so weit“ gekommen sind. Ein maximal positiv denkendes Postkartenmotiv inklusive schwachsinnigem Motivationsspruch. Jung, schön, gesund, motiviert, selbstbewusst bis zur Unkenntlichkeit, und makellos. Und vor allem eines: Überlegen. Wir haben alle Chancen lügt es uns vor, vom Tellerwäscher zum Millionär, man muss es doch nur wollen, und eben bereit sein, Opfer zu bringen, aus der Komfortzone und dem Jammertal der Mittelmäßigkeit herauszutreten. Wer dazu nicht bereit ist, darf sich nicht beklagen, nimm dein Leben in die Hand, denke Positv und reiss dich einfach mal zusammen, dann kannst du alles erreichen, du musst es nur wollen.

Eine Ideologie der „Gewinner“ um die „Verlierer“ zu entsolidarisieren und sie klein zu halten. Herrschaft beginnt im Kopf. Abartig toxische Menschheit im Leistungswahn.

(Bild: Screenshot Google Bildersuche)

Was glauben wir über „schwache Menschen“ und was wird über diesen Glauben an Übergriffen gerechtfertigt und wie werden Opfer dadurch danach zum Schweigen gebracht ?

Wer den Stempel „schwach“ bekommen hat, ist halt raus, der wird wohl allenfalls auf Mitleid spekulieren, daß er vielleicht Respekt erwarten könnte, passt garnicht in das überhebliche Weltbild, das ist sogar schier unvorstellbar – und grundfalsch.

„Niemand hat dich doch dazu gezwungen, bei ihm zu bleiben.“

Es passiert fast allen betroffenen Frauen, sobald sie sich mit ihren Erlebnissen und Schwierigkeiten und Traumafolgen Menschen ohne fundiertem Hintergrundwissen öffnen. Diese Abwertung und Schuldumkehr ist Teil dessen, was man sekundäre Viktimisierung nennt, und basiert nicht zuletzt auf eben jenen Stereotypen, die vorgeben zu definieren, wie oder was ein „Opfer“ zu sein hat, in erster Linie nämlich „schwach“ und mit all den damit assozierten negativen, z.T. eben schuldhaften Eigenschaften…scheinbar „logisch“ das die meisten eben mehrfach Opfer werden, denn irgendwas müssen sie ja „falsch“ machen.

Einem selbst würde das ja nie passieren, eine beruhigende Idee, nicht wahr ?

Opfer müssen doch auch „schwach“ sein, also ganz unten in der Hirarchie.

Und eigentlich …wenn jemand sich „nicht richtig wehrt“, dann ist er es ja, der selbst Schuld ist, der ist ja kein „unschuldiges, echtes Opfer“ und „so richtig“ Täter ist auch nicht der, der dann zu weit geht, denn sie/er hat es ja auch mit sich machen lassen…“.. hat sich halt rumgekriegen lassen…und rächt sich jetzt, obwohl sie ja nicht hätte mitmachen müssen“ „Hat sich damit sicher Vorteile verschaffen wollen…““Was vorgespielt“, „War abhängig/hörig/naiv/verknallt“ (sic)

Und dann ständig dieses Gejammer“, „Aufmerksamkeit!“, „passiv“, „Opferrolle“, „Eigenerantwortung“,“Selbstmitleid“…usw usw. Jede(r) Betroffene hat vermutlich eine längere Liste mit solchem Schwach-sinn als mit wertschätzenden und respektvollen Aussagen….weil… sie zum Opfer gemacht wurden und es gewagt haben, ihr Schweigen zu brechen. (Und verdammt JA , für viele Betroffene sind Dinge, die anderen leicht fallen, unglaublich schwer und sie Leisten so verdammt viel mehr, als sich diese Richter und Richterinnen auch nur ansatzweise vorzustellen vermögen.)

Ausser bei dieser NachtsimParkhintermBusch Sache, das ist ja dann eindeutig genug, um es als Gewalt gelten lassen zu können, und dem Opfer gönnerhaft ein wenig „Mitleid“ zuzusprechen… und den Täter genussvoll mit ausschweifenden Gewaltphantasien bis zum Foltertod zu bedenken——Obwohl…warum geht sie auch Nachts durch den Park, man weiß doch, daß… …wieviel hatte sie eigentlich getrunken, hatte sie den Mann vorher vielleicht gesehen, was hatte sie eigentlich an ? usw.
Und Schwupps → Unabhängig vom Grad der Beknacktheit der Fragen läuft im Hintergrund bereits wieder dasselbe anmaßende Kackschema ab: Das Definitionsmonopol über das Geschehen liegt plötzlich beim selbsternannten Stärkeren (Retter), der sich anmaßt, das Recht -oder je nach Grad der Identifikation mit dem Täter – sogar die Pflicht -zu haben, Aufgrund von Klischees und Vorurteilen nach „Fakten“ zu verlangen um „angemessen“ über Schuld und Unschuld und Glaubwürdigkeit urteilen zu dürfen bzw. zu müssen, um den Täter (und sich selbst) vor wohlmöglich ungerechtfertigten Anklagen zu schützen. Denn wenn ausgerechnet jemand so „schwaches“ „soviel“ Macht beansprucht ist das für viele vor allem eins -bedrohlich (WTF)

Und wenn das Opfer diese Macht nicht sofort dankbar und widerstandslos an den „Retter/Rächer/Heiler“ abtritt, dann ist das eh schwer verdächtig, weil es nicht ins Rollenbild passt.

Man hätte so gerne beruhigend „echte“ eindeutige Täter, denn sich von denen zu distanzieren und diese dann besonders abgrundtief zu hassen, ist viel einfacher fühlt sich und sieht auch viel besser aus, als sich wohlmöglich mit dem eigenen Verhalten und Denkmustern eben in jener vermeindlichen Grauzone beschäftigen zu müssen, mit denen man sich selbst schonmal aktiv dazu entscheiden hat, die Grenzen und Erfahrungen eines anderen Menschen nicht zu respektieren und in Frage zu stellen, weil er einem ja nur hysterisch, dramatisch, überemotional, manipulativ, theatralisch, oder gar unehrlich erscheint.

Wem steht Jemand wohl tendenziell näher, wenn er sich das Recht zuspricht, die Grenzen anderer Menschen beurteilen zu dürfen und somit mindestens gedanklich zu überschreiten ?

ups.

Als vermeindlicher „wahrer Retter“ „echt ohnmächtiger Opfer“ kann Mann sich jedoch leicht und sicher über das Grauen oder gar die Tatsache der Tat erheben, ohne sich mit der tat-sächlichen Ohnmacht des Opfers in all ihren Erscheinungsformen, dem eigenen Täterpotential, der eigenen Inkompetenz und! auch der eigenen Hilflosigkeit -unangenehm direkt – konfrontieren zu müssen… eine herrlich sichere Position.

Leider muss man dafür aber das Opfer gedanklich auf der vermeindlichen Schwäche mit all ihren Attributen festnageln und entmündigen damit die Rollenverteilung in diesem sog. Dramadreieck auch stabil funktioniert, nach „Beweisen“ suchen und „hinterfragen“…

Die Vorstellung, daß ein Opfer Macht erlangen könnte, ist für viele eine extrem bedrohliche Vorstellung, und es ist dabei viel weniger die Angst vor einem Mißbrauch dieser Macht, als vielmehr der Verlust des Privilegs der Überlegenheit ansich- der Erfahrung von Ohn-macht.

Ein „Retter“ der „schwächer“ und (NATÜRLICH!) viel inkompetenter in der Sache als das „Opfer“ ist- ist in einem solch hierarchisch geprägten Rollenmodell nämlich eine schlichtweg undenkbare Möglichkeit. Auch wenn es die Wahrheit ist. Das ist das beschränkte Mindset toxischer Männlichkeit, -welches im übrigen nicht nur Männer verinnerlicht haben.

Der Schutz-und Präventionsgedanke ist dabei oft nur vorgeschoben, um diese „starke“ Rolle mit ihren bequemen und sicheren Privilegien zu legitimieren, dabei ist es jedoch reiner Selbstzweck, dem das Wohlergehen des Opfers meist völlig selbstverständlich und unreflektiert untergeordnet wird. Von der Respektlosigkeit ganz zu Schweigen.

Und das ist das Klima, indem Opfer besser schweigen, das ist Rape Culture in der Ohnmacht und Gewalt in ihren vielen Erscheinungsformen verleugnet oder zumindest regelmäßig kleingeredet, angezweifelt, und sogar legitimiert wird.
Ein Klima, indem der Grund für die Tat fast ausschließlich beim Opfer und über den die sog.“Opferolle“ diskutiert wird, und sexualisierte Gewalt verschleiernd mit Sexualität und (natürlich nur maskulin gedachtem)Frust gleichgesetzt und gerechtfertigt wird. Dabei geht es dabei den Tätern wie den „Rettern“ oftmals ganz gezielt in erster Linie um direkte oder indirekte Machtausübung und Machterhalt, bzw. der Vermeidung/Kompensation von Ohnmachts-erleben, nicht um Sex oder gar „Liebe“.

Ohnmacht ist das unaushaltbarste Gefühl, das ein Mensch -JEDER Mensch, erleben und miterleben kann. Ein potentiell tödliches Gefühl, das alles, woran wir gelernt haben zu glauben, in Frage zu stellen vermag… Es ist natürlich, und menschlich, das vermeiden zu wollen, aber und grade wenn man irrtümlich meint, nicht betroffen zu sein, kann es nötig sein, das eigene, hierarchisch geprägte Rollenverständnis vor allem! an jenen Stellen, wo es einen selbst Schutz gewährt, selbstkritisch zu hinterfragen. Und das wird u.U. sehr schmerzhaft, verunsichernd und auch verlustreich. Mehr Mut zu echter Verletzlichkeit!

Schuld ist der mächtigste Gegenspieler zu Ohnmacht und Schmerz, wer Schuld hatte, war nicht Ohnmächtig, hätte Handlungsmöglichkeiten gehabt, die er eben nur nicht genutzt hat. Und wenn das bedeutet, daß man schuldig ist, zu “schwach”(gewesen) zu sein, um diese anwenden zu können. Und es findet sich fast IMMER etwas, das hätte anders laufen können und einen anderen Ausgang bedeutet hätte. Die meisten Opfer quälen sich lebenslang mit Schuldgefühlen und Scham, weil es das kleinere Übel ist, quasi der letzte Funken von vermeindlicher Kontrolle, an den man sich klammert.

Aber genau jene Schuldumkehr, sei es von Tätern oder aus dem Umfeld oder aus Selbstschutz!, ist es, was einen in solchen Situationen hält, Heilung verhindert und Betroffene Isoliert. Es ist schlichtweg erträglicher, sich schuldig/wirkfähig am Geschehen als tatsächlich ohnmächtig zu fühlen, und nicht jeder hat die Kraft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, grade wenn er sich nachwievor in der Situation befindet, in der ihm täglich vom Täter und! dem Umfeld direkt und indirekt suggeriert wird schwach, wertlos und deswegen auch irgendwie selbst schuld zu sein.

Und ja, viele Betroffene werden mehrfach als Opfer ausgesucht, soziale Isolation ist z.B. einer der größten Risikofaktoren, um in das Beuteschema eines Täters zu fallen, ein taffes Auftreten kann aber ebenfalls einen Täter provozieren usw. es kann jeden Treffen, wenn ein Scheisskerl dir deine Seele filetieren will, wird er das tun.

Die Schuld des Täters ändert das in keinster Weise, ein Übergriff ist ein Übergriff und bleibt ein Übergriff, denn es ist immer! und jedes mal seine alleinige Entscheidung.

Entscheidend um das zu durchbrechen ist dann oftmals das soziale Umfeld, das es ermöglicht, das Gefühl der Ohnmacht überhaupt erst anzuerkennen und ertragen zu können und dadurch erst ist es möglich, Stück für Stück von der Schuld los lassen zu können und zu heilen und um all das, was einem genommen wurde, zu trauern. Wer ohnmächtig war, hat nicht versagt!. Verdrängen heilt garnichts, im Gegenteil! Zusammenreissen und „positiv Denken“, „einfach weitermachen“ ist toxischer Bullshit, denn es sind nicht die „negativen Gedanken“, die einen Krank machten, es war die Tat eines anderen, an der man nichts mehr ändern kann.

Man muss diese Taten -und die vielen Ohnmachten (auch die, stigmatisiert zu werden)- erst wirklich in ihrer Tragweite erfassen, um sie irgendwann nach dem eigenen Ermessen loslassen zu können, sonst hören sie vielleicht nie auf, einen zu vergiften. Erst wenn man akzeptieren kann, kann man das verarbeiten. Ich kenne soviele, die nicht aufhören können sich zu Tode zu kämpfen, die nie aus diesem Kampf-Modus herausfinden, deren Krieg nie endet, und leider auch zuviele, die ihren Frieden im Leben nicht mehr fanden.

(Jede(r)hat seinen eigenen, zu respektierenden Weg, und dies soll keine zwingende „Anleitung“ sein, manche Dinge haben guten Grund zu ruhen, und auch das ist völlig OK.! ❤ )

Es braucht dazu in jedem Fall respektvolle Verbündete auf Augenhöhe, keine überheblichen „Retter“, die einen erst “kleiner”, hilfloser und inkompetenter als sich selbst machen müssen, damit sie sich groß und sicher genug fühlen, um sich einem Thema stellen zu können, daß eigentlich jeden betrifft.

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